Hallo,

nach über zwei Jahren Ausbildung bleibt es natürlich nicht aus, daß sich ein gewisser Alltagstrott einschleicht.

Der Alltag in der Verzinkerei ist mehr oder weniger Routine und um so schöner war es für mich die letzten beiden Wochen mal in die Pulverbeschichtung in Leipzig hineinschnuppern zu können.

Eine Arbeit, die teilweise doch etwas mehr Fingerspitzengefühl erfordert, als die Arbeit in der Verzinkerei.

Und dann natürlich auch optisch deutlich mehr Abwechslung zu bieten hat. Unglaublich, mit wie vielen Farben man Stahl beschichten kann.

Für mich auf jeden Fall zwei Wochen, in denen ich noch einmal viel dazu lernen konnte und viel Spaß hatte.

Darum möchte ich mich hier auch noch einmal ganz sehr bei allen Kollegen aus Leipzig für diese tolle Zeit bedanken.

Und natürlich auch noch einmal viele Grüße an den Charles aus meiner Klasse. ;-)

Viele Grüße aus Dresden.

Sebastian

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Der Charles beim Hölzer zurecht schneiden.

……… Nachdem die Ware beschichtungsgerecht vorbehandelt worden ist, beginnt der erste Beschichtungsschritt, die Epoxid- Grundierung (meist weiß oder schwarz). Die Epoxid- Grundierung ist von essentieller Wichtigkeit, weil sie den Haftverbund zwischen der Deckschicht aus Polyester- Pulverlack (UV-Beständig, hart) und dem Grundmaterial wesentlich verbessert.

Die Beschichtungskabine kann man sich wie einen schmalen, mit Edelstahl umgebenen Gang mit links und rechts jeweils 8-10 „Pulverpistolen“ vorstellen. Aus diesen tritt das Pulver unter Zuhilfenahme von Druckluft aus und bildet eine Pulverwolke innerhalb der Beschichtungskabine. Um eine Haftung der Pulverwolke auf dem Werkstück zu erreichen, wird beim Austreten aus der „Applikationspistole“ das Pulver mittels Hochspannung geladen (polarisiert). Das Werkstück und die Traverse sind hingegen geerdet. Um einen Ausgleich im elektrischen Feld zu erreichen, setzen sich folglich die geladenen Pulverteilchen auf die Werkstückoberfläche. Somit entsteht unter Beachtung einiger Faktoren, wie z.B. der Pulverausstoßmenge, der Feldstärke, etc. eine weitestgehend homogen beschichtete Werkstückoberfläche.

Nachdem die Grundierung aufgebracht wurde, wird diese im Einbrennofen bei ca. 140-200°C ca. 10-30 Minuten eingebrannt. Hierbei wird das bisher in fester Form vorliegende Pulver verflüssigt (Viskosität ähnlich Honig unterhalb RT bzw. Farbe, deren Lösemittel sich größten Teils verflüchtigt hat) und vernetzt miteinander zu einer ebenen Schicht. Im Anschluss an der genannten Einbrennzeit und dem folgenden Austritt aus dem Einbrennofen, ändert sich der Aggregatzustand mit sinkender Temperatur wieder zu fest.

Jetzt trennen sich die Wege der Traversen, denn sie werden entweder in die „Hand- oder Automatikkabine“ geleitet. Dies entscheidet sich nach Farbe und Warenmenge, da ein häufiger Farbwechsel in der Automatikkabine eine wertschöpferische Missetat wäre. Im Vergleich zur Handkabine erhöht sich die Dauer eines Farbwechsels in der Automatikkabine um den Faktor 6-9 (ca. 30-45 min.), je nach Farbton und Beschichtungsbedingung bedeutet dies finanzielle Defizite im drei bis vierstelligen Eurobereich!

Nachdem die Traversen Ihren Bestimmungsort erreicht haben, kontrollieren die Mitarbeiter an der Automatik- bzw. der manuellen Applikationskabine subjektiv die Güte der Grundierung und beseitigen eventuell anhaftenden Pulverüberschuss, Läufer, entstandene Fehlstellen durch Kleberückstände, etc. mittels feinem Schleifpapier oder anderen für diesen Anwendungsbereich geeigneten Hilfsmitteln.

Im Folgenden passiert in der Automatikkabine annähernd das Gleiche wie in der Grundeierkabine, jedoch in der von Kunden gewünschten Farbgebung (meist RAL Farbtöne). An der Handkabine befinden sich hingegen zwei Mitarbeiter, welche mittels Ihrem geschulten Auges, sowie der nötigen Fingerfertigkeit durch horizontale und vertikale Bewegungen das Pulver gleichmäßig auf die Ware applizieren. Nachdem die Polyester-Deckbeschichtung automatisch oder manuell appliziert wurde, fährt die Traverse wiederum unter Einhaltung der bereits genannten (Pulver-Hersteller abhängigen) Einbrennbedingungen in den Einbrennofen.

Nachdem die Waren fertig beschichtet und abgekühlt sind, werden sie von den Mitarbeitern an der „Abhäng-Station“ von der Traverse abgenommen. Währenddessen kontrolliert ein für die Qualitätssicherung beauftragter Mitarbeiter die Güte der Beschichtung und trägt die applizierte Schichtstärke, welche er unter Zuhilfenahme eines magnetinduktiven,- (Einschichtsystem → Pulverlack auf Schwarzstahl) oder eines Wirbelstrommessgerätes (Mehrschichtsystem → Schwarzstahl, Zink, Pulverlack) misst, ins eigens dafür entwickelte Protokoll ein.

Letztendlich platzieren die Mitarbeiter die Waren sachgemäß auf Holzpaletten mit einer Schaumstoffpolsterung oder in den vom Kunden mitgelieferten Verpackungen ( z.B. Metallbox, Spezialpalette), befestigen alles mit Gewebe- oder Kunststoffband und versehen die Warenteile mit einer der Auftragsnummer entsprechenden Kennnummer, um den Lagerplatz sowie die Kundenzugehörigkeit bei der Abholung einwandfrei verifizieren zu können.

 

Wie Ihr seht, ist der Verfahrensablauf in der Abteilung COLORZINQ recht vielfältig. Ich hoffe mit diesem „Zweiteiler“ euer Interesse am Pulverbeschichten geweckt zu haben.

 

Mit besten Grüßen aus dem ICE in Richtung Schwäbisch Gmünd,

euer Norman

 

Wie ich bereits in meinem vorherigen Bericht (welchen Ihr unter der Kategorie Feuerverzinken finden könnt) erwähnt habe, verfügt der Standort Gerichshain (Korrosionsschutzpark Leipzig) nicht ausschließlich über eine Feuerverzinkung, sondern obendrein noch über eine Anlage zur Applikation von Pulverlacken diverser Farben und Zusammensetzungen. Weiterlesen